Bundesbrief„In Gottes Namen.Amen. Das öffentliche Ansehen und Wohl erfordert, dass

Friedensordnungen dauernde Geltung gegeben werde.— Darum haben alle Leute der

Talschaft Uri, die Gesamtheit des Tales Schwyz und die Gemeinde der Leute der

unteren Talschaft von Unterwalden im Hinblick auf die Arglist der Zeit zu ihrem

besseren Schutz und zu ihrer Erhaltung einander Beistand, Rat und Förderung mit Leib

und Gut innerhalb ihrer Täler und ausserhalb nach ihrem ganzen Vermögen zugesagt

gegen alle und jeden, die ihnen oder jemand aus ihnen Gewalt oder Unrecht an Leib

oder Gut antun.— Und auf jeden Fall hat jede Gemeinde der andern Beistand auf eigene

Kosten zur Abwehr und Vergeltung von böswilligem Angriff und Unrecht eidlich gelobt

in Erneuerung des alten, eidlich bekräftigten Bundes, — jedoch in der Weise, dass jeder

nach seinem Stand seinem Herren geziemend dienen soll. — Wir haben auch einhellig

gelobt und festgesetzt, dass wir in den Tälern durchaus keinen Richter, der das Amt

irgendwie um Geld oder Geldeswert erworben hat oder nicht unser Einwohner oder

Landmann ist, annehmen sollen. — Entsteht Streit unter Eidgenossen, so sollen die

Einsichtigsten unter ihnen vermitteln und dem Teil, der den Spruch zurückweist, die

anderen entgegentreten. — Vor allem ist bestimmt, dass, wer einen andern böswillig,

ohne Schuld, tötet, wenn er nicht seine Unschuld erweisen kann, darum sein Leben

verlieren soll und, falls er entwichen ist, niemals zurückkehren darf. Wer ihn aufnimmt

und schützt, ist aus dem Land zu verweisen, bis ihn die Eidgenossen zurückrufen. —

Schädigt einer einen Eidgenossen durch Brand, so darf er nimmermehr als Landmann

geachtet werden, und wer ihn in den Tälern hegt und schützt, ist dem Geschädigten

ersatzpflichtig. — Wer einen der Eidgenossen beraubt oder irgendwie schädigt, dessen

Gut in den Tälern soll für den Schadenersatz haften. — Niemand soll einen andern,

ausser einen anerkannten Schuldner oder Bürgen, pfänden und auch dann nur mit

Erlaubnis seines Richters. — Im übrigen soll jeder seinem Richter gehorchen und, wo

nötig, den Richter im Tal, vor dem er zu antworten hat, bezeichnen. — Gehorcht einer

dem Gericht nicht und es kommt ein Eidgenosse dadurch zu Schaden, so habe alle

andern jenen zur Genugtuung anzuhalten. — Entsteht Krieg oder Zwietracht zwischen

Eidgenossen und will ein Teil sich dem Rechtspruch oder der Gutmachung entziehen, so

sind die Eidgenossen gehalten, den andern zu schützen. — Diese Ordnungen sollen,

so Gott will, dauernden Bestand haben. Zu Urkund dessen ist auf Verlangen der

Vorgenannten diese Urkunde gefertigt und mit den Siegeln der drei vorgenannten

Gemeinden und Täler bekräftigt worden. Geschehen im Jahre des Herrn 1291 zu

Anfang des Monats August. “

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